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In Gerechtigkeit investieren (Artikel der Evangelischen Sonntagszeitung der EKHN vom 29.05.2005) ![]() |
| Rund ein Drittel des Kapitals von
»Oikocredit« fließt in Kleinkredite für
Marktfrauen, Handwerker oder
andere Kleinstunternehmer in Entwicklungsländern. Das Foto zeigt
Maya-Kunsthandwerkerinnen in Guatemala. |
| Kirchengemeinde Mainz-Marienborn legte schon vor 20 Jahren Geld bei »Oikocredit« an • Von Karl-Heinz Dejung Als eine der ersten Gemeinden in Hessen und Nassau kaufte Marienborn in den 80er Jahren Anteilsscheine bei »Oikocredit «. Über den Stand der geförderten Projekte heute ließen sich die Gemeindeglieder aus erster Hand informieren. Im Juni feiert die Ökumenische Entwicklungsgenossenschaft »Oikocredit« ihr 30-jähriges Bestehen. Auf Initiative des Ökumenischen Rats der Kirchen im November 1975 in Rotterdam gegründet, erhielten mit dieser »Entwicklungsbank« Kirchen, kirchliche Gruppen und Einzelpersonen die Möglichkeit, eigenes Kapital zur Armutsbekämpfung in der Welt anzulegen. Die Kirchengemeinde Mainz-Marienborn kaufte in den frühen 80er Jahren als eine der ersten Gemeinden der Landeskirche mehrere Anteilsscheine zum Preis von je 500 holländischen Gulden. »Wenn das Brot, das wir teilen, zur Rose blüht« – unter diesem Motto erinnerten sich die Marienborner jüngst in einem Gottesdienst mit anschließendem »Gespräch am Morgen« an dieses ökumenische Projekt. »Während unter uns dieses Engagement weithin in Vergessenheit geraten ist, wurde das von uns zur Verfügung gestellte Kapital zum Segen für viele«, sagte Pfarrer Harald Jaensch zu den zahlreichen – auch katholischen – Besuchern der Veranstaltung. Zur Bilanz bisheriger Erfahrungen sprach in Marienborn der Leiter des »Oikocredit«-Regionalbüros Osteuropa, der Mainzer Agrarökonom Florian Grohs. Für ihn, einen ehemaligen Weltbankbeamten, ist »Oikocredit« zu einer echten Erfolgsgeschichte geworden. Es sei gelungen, ein Anlagekapital von gegenwärtig rund 200 Millionen Euro zusammenzubringen. Das Geld werde in Kleinkrediten vornehmlich Genossenschaften zinsgünstig zur Verfügung gestellt, die auf dem offiziellen Markt als nicht kreditwürdig gelten. »Oikocredit« fördert mehr als tausend Projekte in Lateinamerika, Afrika, Asien und Osteuropa. Sie werden durch ein Netz von Regionalbüros und Länderbeauftragten nach sozialen und ökologischen Kriterien ausgewählt. Die Projektpartner erfüllen in der Regel die harten Kriterien eines nachhaltigen Wirtschaftens und können ihre Kredite zurückzahlen. Den Geldgebern zahlt »Oikocredit« eine jährliche Dividende von zurzeit zwei Prozent. In schwierigen Situationen wie der Asienkrise Ende der 90er Jahre halfen intensive Beratungen der Kreditnehmer, Verluste zu vermeiden. So liegt die Abschreibungquote gegenwärtig bei vier Prozent. Die intensive Debatte, die sich in Marienborn entspann, machte deutlich: »Oikocredit« ist ein effektives Instrument der Armutsbekämpfung – in erster Linie geeignet für Gruppen, die einen Zugang zum Markt suchen. Es ersetzt damit nicht die Arbeit von Brot für die Welt oder Misereor, die sich den Ärmsten der Armen zuwenden. Als komplementäres Angebot kann es den Gedanken fördern, »in Gerechtigkeit zu investieren«. Ob die Marienborner Kirchengemeinde ihr in Vergessenheit geratenes Engagement wieder aktiviert? Der Verlauf des Gesprächs ging deutlich in diese Richtung. |